Banner

110713_befruchtung

Am 23. Juni wurde in Göttingen das Niedersächsisches Forschungsnetzwerk Bioethik gegründet. Es soll den Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit stärken.


Bioethische Fragen wie Sterbehilfe, Stammzellforschung oder Präimplantationsdiagnostik (PID) nehmen einen immer größeren Stellenwert in der öffentlichen Debatte ein. Dabei wird der medizinische Fortschritt nicht von allen als positiv angesehen. Jüngst hat der Bundestag den Beschluss gefasst, die umstrittene Präimplantationsdiagnostik in bestimmten Ausnahmefällen zu erlauben.


Um sich über solche medizin- und bioethischen Fragen besser auszutauschen, wurde am 23. Juni 2011 das Niedersächsische Forschungsnetzwerk Bioethik gegründet. Initiator des Netzwerks ist die Göttinger Akademie für Ethik in der Medizin an der Universitätsmedizin Göttingen.


An der Auftaktveranstaltung in Göttingen nahmen neben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Hannover, Oldenburg, Osnabrück und Göttingen auch Staatssekretär Josef Lange vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur sowie der Ehrenpräsident der Ärztekammer Niedersachsen, Professor Heyo Eckel, teil.

 

"Das Niedersächsische Forschungsnetzwerk Bioethik verfolgt das Ziel, durch intensive Zusammenarbeit der beteiligten Institutionen und Personen die verschiedenen bereits vorhandenen Kompetenzen wechselseitig füreinander nutzbar zu machen", erklärt Professorin Claudia Wiesemann, Direktorin der Abteilung Ethik und Geschichte der Medizin des Universitätsklinikums Göttingen und Präsidentin der Akademie für Ethik in der Medizin. "Es soll dazu beitragen, eine hohe Qualität der bioethischen Forschung in Niedersachsen, aber auch deren adäquate Darstellung in der Öffentlichkeit zu sichern."


Die Bioethik beschäftigt sich mit Themen rund um den Mensch im Umgang mit seiner Umwelt - der Natur sowie mit biotechnischen und medizinischen Entwicklungen. Durch Reflexion und gemeinsamen Austausch sollen Leitlinien für moralisches Handeln in der Gesellschaft entstehen. Forscher in ganz Niedersachsen beschäftigen sich mit bioethischen Fragen wie der Definition des Lebensanfangs, Forschung am Menschen,


Verteilungsgerechtigkeit, der Bewertung von technischen Assistenzsystemen im Alter bis hin zu Fragen der Sterbebegleitung und Sterbehilfe. Im interdisziplinären Austausch sollen sie fortan im Niedersächsischen Forschungsnetzwerk Bioethik diskutiert und wenn möglich, beantwortet werden. Auch praktische Themen wie die Evaluation Klinischer Ethikberatung sowie grundlegende Fragen nach dem Verhältnis von Autonomie und Vertrauen in der Medizin werden aufgegriffen.


"Themen der Bioethik sind keine Themen, die im wissenschaftlichen Elfenbeinturm fernab des Alltags ausgetragen werden sollten", betonte Wissenschaftsstaatssekretär Dr. Josef Lange in seinem Grußwort. "Aktuelle Debatten um Themen wie Sterbehilfe, Präimplantationsdiagnostik oder Stammzellforschung verdeutlichten vielmehr, dass Antworten auf bioethische Fragen nur im intensiven Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit gefunden werden können. Der Medizin- und Bioethik kommt in diesem Dialog eine wichtige Mittlerfunktion zu."


Die Umsetzung der Ziele soll anhand regelmäßiger Arbeitstreffen, gemeinsamer Tagungen sowie Fortbildungsveranstaltungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs erfolgen. Die erste Tagung zum Thema "Medizin in der alternden Gesellschaft – Ethische Herausforderungen" soll im Juni 2012 in Göttingen stattfinden. Neben wissenschaftlichen Fachvorträgen ist auch eine öffentliche Podiumsdiskussion geplant.


-----------------------------------------------------------------------------------

Foto: Mikroskopaufnahme einer künstlichen Befruchtung

-----------------------------------------------------------------------------------

Foto: © iStock

 

Published: 11/07/13