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Göttinger Neurowissenschaftler haben zum ersten Mal beschrieben, dass ein verändertes Zusammenspiel von Umwelt und genetischer Prägung zum Verlust von Lernvermögen im Alter führen kann. Sie klären den Mechanismus auf und zeigen mögliche neue Wege zur Behandlung von Altersdemenz.


(umg) Geistig fit im hohen Alter, das ist ein besonderes Geschenk des Lebens. Altkanzler Helmut Schmidt (91) und Altpräsident Richard von Weizsäcker (90) sind Beispiele dafür, dass „geistige Fitness“ bis ins hohe Alter möglich ist. Die meisten Menschen müssen sich mit zunehmendem Alter eher mit den Einschränkungen ihres Lernvermögens arrangieren. Alter ist auch der wichtigste Risikofaktor für Alzheimer. Dabei ist in den wenigsten Fällen eine vererbte Form von Alzheimer der Grund dafür, sondern die „erworbene“ Variante. Eine ursächliche Behandlung gibt es für beide Formen bislang nicht. Göttinger Neurowissenschaftler vom European Neuroscience Institut (ENI-G) zeigen jetzt neue Wege für eine mögliche Behandlung auf.


In ihrer neuesten Studie beschreibt das Forscherteam unter der Leitung von Dr. André Fischer erstmals, dass eine veränderte Umwelt-Genom-Interaktion zum Verlust von Lernvermögen im Alter führt, und sie klären den Mechanismus auf. Gefunden haben die Forscher eine Art Schalter für das „Lernen können“. Dieser ist schon zu Beginn der zweiten Lebenshälfte „dereguliert“ und damit quasi auf „Aus“ gestellt. Das Forscherteam ist davon überzeugt, damit einen Ansatzpunkt für eine in der Zukunft mögliche „Pille gegen Altersdemenz“ gefunden zu haben. Die Forschungsergebnisse der ENI-G-Forscher wurden am 7. Mai 2010 in dem international renommierten Wissenschaftsmagazin SCIENCE veröffentlicht.


Erst ein moderner Forschungsansatz hat den Göttinger ENI-Forschern zu den jüngsten Erkenntnissen verholfen. Dieser berücksichtigt Erkenntnisse der so genannten „Epigenetik“. Danach beeinflussen vor allem Faktoren der Umwelt, ob und welche Gene des verfügbaren Erbguts „reguliert“, das heißt ein- oder aus-, runter- oder hoch-geschaltet, werden. Die vermittelnden Schaltstellen für diese „Umwelt-Genom-Interaktion“ liegen nicht in den Genen oder der Erbsubstanz selbst, sondern in der dreidimensionalen Verpackungsstruktur der Gene.
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Das Foto zeigt die ENI-Nachwuchsgruppe Experimentelle Neuropathologie (v. l.): Dr. André Fischer, Dr. Anthanasios Zovoilis, Dr. Farahnaz Sananbenesi, Shahaf Peleg.

 

Foto: © ENI-G