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Das Universitätsklinikum Göttingen verfügt über eine sogenannte "Stroke Unit": Sie verspricht im Falle eines Schlaganfalls schnelle Hilfe. in goettingen sprach mit dem leitenden Oberarzt Prof. Dr. Pawel Kermer.


Herr Professor Kermer, was ist das Besondere an einer Stroke Unit?

 

Kermer: Eine Stroke Unit ist eine Station, die speziell auf Schlaganfall-Patienten ausgerichtet ist. Zu uns kommen alle Patienten, bei denen der Neurologe in der Notaufnahme des Klinikums festgestellt hat, dass sie Anzeichen für eine Durchblutungsstörung aufweisen. Hier werden sie dann für mindestens 24 Stunden an einen Monitor angeschlossen, der ihre Vitalparameter, d.h. den Puls, die Temperatur, den Blutdruck, die Atemfrequenz, die Herzaktivität und die Sauerstoffsättigung des Blutes überwacht. Außerdem versuchen wir gezielt zu verhindern, dass sich aus den bei einem Schlaganfall relativ häufig auftretenden Schluckstörungen eine Lungenentzündung entwickelt.

 

Wie macht sich ein Schlaganfall typischerweise bemerkbar?

 

Kermer: Zu den klassischen Anzeichen gehören eine Sprachstörung, die sich in einem unverständlichen oder verwaschenen Sprechen äußert, eine halbseitige Lähmung oder Gefühlsstörung, die plötzliche Blindheit auf einem Auge, Doppelbilder oder auch ein hängender Mundwinkel. Anders als bei einem Herzinfarkt, der starke Schmerzen verursacht, nehmen die Betroffenen diese Anzeichen jedoch nicht als lebensbedrohlich war. Die Folge ist, dass der Notarzt, wenn überhaupt, erst sehr spät gerufen wird. Dabei ist schnelles Handeln bei einem oder mehreren dieser Symptome unbedingt erforderlich.

 

In letzter Zeit ist im Zusammenhang mit Schlaganfällen öfter von der sogenannten TIA die Rede. Was verbirgt sich dahinter?

 

Kermer: Die transitorisch ischämische Attacke, abgekürzt TIA, ist eine Art Warnschlaganfall. Ihre Symptome sind mit denen eines normalen Schlaganfalls identisch, verschwinden aber nach gewisser Zeit wieder, so dass viele der Betroffenen nicht zum Arzt gehen. Das Risiko innerhalb der nächsten drei Monate nach einer TIA einen schweren Schlaganfall zu erleiden, ist sehr hoch. Wenn die TIA allerdings behandelt wird, kann man einen zweiten und stärkeren Schlaganfall meist vermeiden. Egal, ob TIA oder schwerer Schlaganfall: Jedes der bereits genannten Symptome sollte dazu führen, dass die 112 gewählt wird. Nach der Aufnahme in der Notfallstation des Klinikums und der Diagnose durch eine Computertomographie des Kopfes wird der Patient dann möglichst rasch mit Gerinnsel auflösenden Medikamenten behandelt. Diese können nämlich nur innerhalb der ersten Stunden nach Auftreten der Symptome verabreicht werden.

 

Was sind die Hauptrisikofaktoren für einen Schlaganfall?

 

Kermer: Die Risikofaktoren sind vergleichbar mit denen für andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie z.B. einem Herzinfarkt. Zum einen gibt es nicht-behandelbare Risikofaktoren wie genetische Disposition aber auch Alter und Geschlecht. Das heißt, mit zunehmendem Alter steigt das Schlaganfall-Risiko, und bei Männern liegt es generell etwas höher als bei Frauen. Auch Menschen, deren Eltern bereits Schlaganfälle hatten, haben ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko. Dann gibt es noch die behandelbaren Risiko faktoren wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes, Rauchen, übermäßiger Alkoholgenuss, mangelnde Bewegung, Übergewicht und eine Verengung der Halsschlagader, die als Folge der anderen behandelbaren Risikofaktoren gesehen werden muss.

 

Foto: © Kreide