erdbebenwarte Ein Ausflug zu Göttingens historischer Erdbebenwarte lohnt sich. Ihr Besuch lässt sich wunderbar mit einer Wanderung durch den Göttinger Wald verbinden.


Mit der Inschrift „Ferne Kunde bringt Dir der schwankende Fels - deute die Zeichen" wird der Besucher am Eingang der am Göttinger Hainberg gelegenen Erdbebenwarte empfangen. Verfasser dieser Zeilen ist der Physiker und Seismologe Emil Wiechert (1861 - 1928), der 1898 Direktor des Göttinger Instituts für Geophysik wurde. Unter seiner Leitung wurde die Erdbebenwarte errichtet, die 1902 ihren Betrieb aufnahm. Das Observatorium verfügt über drei mächtige Mess-Apparaturen: Einen astatischen Horizontal-Seismographen, einen Vertikalseismographen und ein 17 Tonnen schweres Pendel. Alle drei wurden zu Prototypen für ähnliche Geräte in der ganzen Welt und sind in Göttingen bis heute in Betrieb. Die herausragende wissenschaftliche Bedeutung der Wiechert‘schen Seismographen, die für die aktuelle Forschung nicht mehr genutzt werden, liegt in der Verwendung eines Luftdämpfungssystem, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts erstmals verlässliche Aufzeichnungen von Bodenbewegungen ermöglichte.

 

Neben einem Instrumentenraum, der die drei Seismographen beherbergt, verfügt die Göttinger Erdbebenwarte über einen so genannten Berußungsraum. In ihm wird spezielles Papier mit einer Rußschicht versehen, in die später eine Nadel die Seismogramme, also die Aufzeichnungen der gemessenen Bodenbewegungen ritzt. Aber nicht nur im Erdbebenhaus selbst gibt es historische Forschungsgeräte zu entdecken: Wenige Meter von dem ein wenig im Wald versteckt gelegenen Gebäude entfernt, stößt man auf ein großes Stahlgerüst, zu dessen Füßen eine Stahlkugel liegt. Hierbei handelt es sich um die so genannte Mintrop-Kugel, benannt nach dem deutschen Geophysiker Ludger Mintrop. Die seltsam anmutende Apparatur dient nicht der Messung, sondern der Erzeugung von Erdwellen: Aus vierzehn Metern Höhe wird die vier Tonnen schwere Kugel fallengelassen, die entstandenen Erschütterungen werden aus verschiedenen Entfernungen gemessen. Noch heute wird diese Methode weltweit bei der Suche nach Bodenschätzen eingesetzt.

 

Seit 2005 ist das Gelände, auf dem sich Erdbebenhaus und Mintrop-Kugel befinden, im Besitz des Vereins Wiechertsche Erdbebenwarte Göttingen e.V., der sich der Erhaltung und dem Betrieb der historischen Apparaturen verschrieben hat. Darüber hinaus bieten die Vereinsmitglieder an jedem ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr kostenlose Führungen durch die Erdbebenwarte an. Es wird darum gebeten, zu Fuß zum Gelände an der Herzberger Landstraße 180 zu kommen. Geparkt werden kann auf dem Waldparkplatz gegenüber der Rohnsterrassen, von wo aus der Weg zur Wiechert‘schen Erdbebenwarte ausgeschildert wird.

 

Foto: © W.E.G. e.V.